News & Presse Handbuch: Mikro-Depots im interkommunalen Verbund

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Sebastian Stiehm – agiplan

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Mikro-Depots: IHK Mittlerer Niederrhein übergibt Handbuch an Verkehrsminister Wüst

Dauerstaus, Parkplatzmangel, Belastungen für Mensch und Umwelt – die innerstädtische Infrastruktur ist vielerorts überlastet. Getrieben vom stetig wachsenden Online-Handel, trägt der Lieferverkehr seinen Teil zu diesem Kollaps bei. Um diesem Trend entgegenzuwirken, hat die Industrie- und Handelskammer (IHK) Mittlerer Niederrhein die agiplan GmbH und das Fraunhofer IML mit der Erstellung einer Machbarkeitsstudie zur Entwicklung sogenannter Mikro-Depots in Mönchengladbach, Krefeld und Neuss beauftragt. Diese City Hubs sollen allen KEP-Dienstleistern (Kurier-, Express- und Paketdienste) gleichermaßen als gemeinsame Logistikbasis zur Verfügung stehen. Von dort aus kann die finale Strecke zum Kunden mit kleinen Lieferfahrzeugen wie Lastenfahrrädern zurückgelegt werden.

Finanziell unterstützt wurde das Projekt vom Verkehrsministerium des Landes Nordrhein-Westfalen. Das Ergebnis der Studie, das Handbuch „Mikro-Depots im interkommunalen Verbund“, hat IHK-Hauptgeschäftsführer Jürgen Steinmetz jetzt Landesverkehrsminister Hendrik Wüst überreicht. Gleichzeitig wurden die Studienergebnisse einem Fachpublikum vorgestellt.

„Die Zustellung von Paketen bis an die Türe ist bequem“, sagte Steinmetz zur Begrüßung. „Aber der zusätzliche Verkehr sorgt nicht gerade dafür, dass die Innenstädte für Besucher attraktiv sind.“ Doch genau das sei der IHK wichtig. „Attraktive Zentren sind wichtige Visitenkarten für unsere Städte und prägen die Lebensqualität in unserer Region.“ Der Verkehrsminister bedankte sich bei der IHK und den beteiligten Städten für das Engagement. „Wir unternehmen viel, um die ÖPNV-Versorgung zu verbessern, aber gleichzeitig brauchen wir Konzepte, wie wir die letzte Meile im Paketverkehr optimal gestalten“, sagte Wüst, der das Handbuch als Auftakt eines Prozesses sieht: „Am Ende müssen wir zur Umsetzung kommen. Ich komme gerne wieder, wenn die ersten Mikro-Depots eröffnet werden.“

Übergabe des Mikro-Depot Handbuchs an Verkehrsminister Wüst

agiplan, Fraunhofer IML und IHK Mittlerer Niederrhein übergeben ein Handbuch zu "Mikro-Depots im interkommunalen Verbund" an das VM NRW.

Sie überreichten NRW-Verkehrsminister Hendrik Wüst (2.v.l.) das Handbuch „Mikro-Depots im interkommunalen Verbund“ (v.l.): Jürgen Steinmetz (Hauptgeschäftsführer der IHK Mittlerer Niederrhein), Norbert Hudde (Leiter des Fachbereichs Stadt- und Verkehrsplanung der Stadt Krefeld) und Dr.-Ing. Christian Jacobi (Geschäftsführer der agiplan GmbH).

Wie das gelingen kann, beschrieben im Anschluss die Autoren der Studie: Dr.-Ing. Christian Jacobi und Dr. Sebastian Stiehm von der agiplan GmbH sowie Dr.-Ing. David Rüdiger vom Fraunhofer-Institut für Materialfluss und Logistik. Ihren Berechnungen zufolge ist ein Beispiel-Mikro-Depot mit 180 Quadratmetern Gebäudefläche in der Lage, pro Tag etwa 1.400 Pakete mit zwölf Lastenfahrrädern in einem Umkreis von 2 bis 3 Kilometern auszuliefern. „Diese Immobilie sollte über separierte Lagerflächen für die einzelnen Dienstleister, über Sozialräume und im Bestfall auch über eine Laderampe verfügen“, erläuterte Rüdiger. „Ein Erfolgsfaktor ist vor allem die verkehrliche Anbindung und die Zugänglichkeit der Umschlagfläche für Fahrzeuge mit bis zu 7,5 Tonnen zulässigem Gesamtgewicht.“ In allen drei Städten seien Immobilien in Innenstadtlagen identifiziert worden, die prinzipiell geeignet sind.

Mindestens so wichtig, wie die Frage nach den Voraussetzungen für die Immobilie, ist für die Studien-Autoren das Betreibermodell der Mikro-Depots. „Es ist von zentraler Bedeutung, dass der Betreiber neutral ist und somit allen Dienstleistern gleichermaßen Zugang und Nutzung des Depots ermöglicht“, betonte Dr. Christian Jacobi. „Diese Aufgabe könnten idealerweise die Städte oder ihre Töchtergesellschaften übernehmen – vielleicht sogar in einem interkommunalen Verbund.“

Dr. Sebastian Stiehm beschrieb die kommenden Schritte auf dem Weg zur Umsetzung erster Mikro-Depots: „Standorte müssen festgelegt, das Betreibermodell und der Mietpreis gestaltet und die KEP-Dienstleister dafür gewonnen werden.“ Dabei sei die Preisgestaltung der Kaltmiete die entscheidende Stellschraube.

In der anschließenden Diskussion signalisierte Norbert Hudde, Leiter des Fachbereichs Stadt- und Verkehrsplanung der Stadt Krefeld, das Projekt weiter zu unterstützen: „Wir können uns als Pilotprojekt die Schaffung eines Mikro-Depots in der Innenstadt gut vorstellen. Anschließend müsste für die drei Nebenzentren Krefelds etwas Vergleichbares entwickelt werden.“

Zum Abschluss sicherte der IHK-Hauptgeschäftsführer zu, sich weiter für die Realisierung in den drei Städten einzusetzen. „Dafür haben wir eine Förderung beantragt“, sagte Steinmetz. „Wir sind zuversichtlich, dass der Förderbescheid bald eingeht.“ Dann komme es auch darauf an, dass die Städte und die Stadträte mitziehen und die Voraussetzungen für die Schaffung der Mikro-Depots schaffen.

Handbuch „Mikro-Depots im interkommunalen Verbund“